TLDR with Don't Hug Me I'm Scared
The past is far behind us, The future doesn’t exist.
Übersicht
Getäuscht und beeinflusst durch Erinnerungen
- Das Gedächtnis von Menschen ist faszinierend und steckt voller subjektiver Überraschungen.
- So kann es sein, dass man sich an ein Ereignis in der Kindheit besonders gut erinnert, der Rest der Familie aber nicht.
- Das Gedächtnis ist ein manipulatives Element, dass dem Individuum eine möglichst prägende Geschichte verleihen soll (schließlich ist jede Person die Hauptfigur in der eigenen Geschichte, möglichst gesichtswahrend).
- Man vermischt die Erfahrungen von anderen mit der eignenen oder hat wegen seiner zeitlichen oder beruflichen Beschränkung eine ganz bestimmte Perspektive, die bestimmte Details besonders stark fokusieren oder ausblenden können.
title: Hindsight - Wenn die Lösung "eh schon klar" war
Wenn nicht entsprechend aufgezeichnet,
kann es nach einem traurigen Ereignis zu einem
"es war eh schon abzusehen" verkommen.
Wenn es eh so abzusehen war,
warum hat man denn nichts dagegen getan?Alles Gegenwärtig - Die drei “Zeiten” nach Augustinus
- Nach Kirchenvater und Historiker Kaiser Augustinus (4.Jh. n.Chr.) gibt es nur die Gegenwart, in der alle Zeiten ausgedrückt werden.
- Gegenwart von Vergangenem
- Gegenwart von Gegenwärtigem
- Gegenwart von Zukünftigem
- Wenn man demnach von der Vergangenheit spricht,
- so ist der Fokus oft auf bestimmte Gefühle oder Eindrücke gerichtet,
- die für die Erzählenden bedeutungsvoll (sinnvoll) erscheinen.
- so ist der Fokus oft auf bestimmte Gefühle oder Eindrücke gerichtet,
3 Tipps zum Umgang mit Erinnerungen nach Anette Kehnel
- Erinnerungen können einen Menschen hinunterziehen oder auch stärken,
- es ist eine Frage der Perspektive und des Umgangs damit.
1) Nach vorne denken
- Erinnerungen von Früher können paralysieren (hätti-wari-Syndrom)
- die Sicht auf die Zukunft verbauen.
title: Ratschlag 1 - Blick nach Vorne
- ab und an loslassen
- neue Abenteuer in der Zukunft wagen.2) Man kann erinnern…aber auch vergessen
- Hier sind vor allem die besonders schlimmen Erinnerungen angedacht,
- die uns immer wieder an die schlechten und schamvollen Gefühle ketten.
- “Weil das damals so war, kann ich nicht mehr…“
- die uns immer wieder an die schlechten und schamvollen Gefühle ketten.
title: Ratschlag 2 - Weg von der verschütteten Milch
- Die schlechten Dinge abwerfen und einen Neuanfang wagen.
Die Bekanntschaften der Zukunft wissen in der Regel nicht von diesen Geschichten (bzw. hatten selbst ähnliche Erlebnisse)
- Jeder muss lernen, mit seinen Altlasten umzugehen. 3) Eigene Erinnerungen schaffen - ein “besseres” Früher
- Erinnerungen können auch erlösen und Rückenwind für neue Abenteuer geben,
- vor allem, wenn sie schön sind oder eine gewisse Motivation verleihen.
title: Ratschlag 3 - Vermehrt Schönes
Mehr Schönes und Beruhigendes als Erinnerung bewahren und wertschätzenSonstige Vermerke
Vorsicht bei Meinungen von Privilegierten?
- Anm. Antifa-Café:
- vorsicht bei Kaiser Augustus.
- In seiner privilegierten Position konnte er eine ganze Menge “interessantes” Zeugs von sich geben.
- Es sei jedoch abzuwägen, wie nützlich sein Wissen für die Allgemeinheit gewesen ist.
- Die Tipps nach Kehnel wirken auf mich etwas selbstmanipulativ.
- Meint sie mit einem “besseren” Früher nur die Kindheitserinnerungen?
- Wenn ich mich nur an die guten Dinge erinnern möchte, ist es dann nicht mehr oder minder eine Geschichtsrevision?
- Kehnel selbst bezeichnet Geschichte als akademisches Fach eher als “Forschung der Erinnerungsfähigkeit des Menschen”
- Meint sie mit einem “besseren” Früher nur die Kindheitserinnerungen?
Kann das kollektive Gedächtnis vergessen?
- Wie soll der Umgang mit einem kollektiven Gedächtnis geschehen?
- Ist es auch sinnvoll, hier einfach “Dinge” zu vergessen?
- wie wirkt sich das auf einem globalen Level aus?
- z.B. Relativierung und Revision von Kriegsverbrechen.
- Wie ist es mit Taten von potentiellen Kriegsverbrechern?
- vgl. Umgang von Lt. Aldo Raine mit “geläuterten” Nazis, welche sich aus der Verantwortung ziehen möchten:
- Wie ist es mit Taten von potentiellen Kriegsverbrechern?
- Ist es auch sinnvoll, hier einfach “Dinge” zu vergessen?
title: Lt. Aldo Raine to Hans Landa
I mean, if I had my way... you'd wear that goddamn uniform for the rest of your pecker-suckin' life. But I'm aware that ain't practical, I mean at some point you're gonna hafta take it off. So. I'm 'onna give you a little somethin' you can't take off... Dystopie vs. Utopie?
- Wie sieht es mit dystopischen Zukunftsbildern à la 1984 aus?
- sind diese mit der “guten alten Zeit” verwandt?
- als eine Art Gegenpol i.S.v. “die schlechte neue Zeit?”
- sind diese mit der “guten alten Zeit” verwandt?
- vgl. Ötsch Walter und die “Gute Alte Zeit” im populistischen Politikersprech
- Erfahrungen um das Alter zwischen 12-15 Jahren
- vgl. Hotel Del Luna - “Der Geist und der Bäcker”
- Der Geist erinnerte sich vor allem an die schönen Hände des Bäckers,
- obgleich der Grund ganz und gar nicht schön war
- die Hände waren die letzte Erinnerung, was der sterbenden Frau in Erinnerung blieb
- obgleich der Grund ganz und gar nicht schön war
- Der Geist erinnerte sich vor allem an die schönen Hände des Bäckers,
vgl. Debatte “Indianer mit Schlag”
- Seit der Kindheit gebe es bereits Speisen mit rassistischen Konnotationen:
- “Negerkuss” (Kokoskuppel)
- “Zigeunerschnitzel” (Paprikaschnitzel)
- “Mohr im Hemd” (Schokokuchen mit Schlag)
- und natürlich ein “Indianer mit Schlag” (extra gefüllter Krapfen mit Schokolade und einer Schlaghaube).
- Außerdem gibt es auch Lieder wie die “10 kleinen Negerlein” und eine Menge Geschichten wie “Hatschi Bratschi Luftballon”
- Solle nun dies alles auf eine rote Liste gesetzt und verboten werden?
- Diese Diskussion erinnert sehr stark an Michael Kimmel und seine Abhandlung an Aggrieved Entitlement and Evolved Masculinity
- Vergleich auch die Aussagen in Japan: “Weil es so wenige Ausländer gibt, gibt es auch keinen Rassismus”
- Dies wiederum erinnert an George Mikes und seine Japanabhandlung The Land of the Rising Yen (1986)
- Vergleich auch die Aussagen in Japan: “Weil es so wenige Ausländer gibt, gibt es auch keinen Rassismus”
- Diese Diskussion erinnert sehr stark an Michael Kimmel und seine Abhandlung an Aggrieved Entitlement and Evolved Masculinity
- Solle nun dies alles auf eine rote Liste gesetzt und verboten werden?
Gezuckertes Cola
- vgl. Geschichte von Ratz, Christoph “Zucker in das Coca-Cola”
- Eine Forschungskollegin aus Afrika hatte während ihrer Kindheit vorgeblich mehrere Hungersnöte miterlebt.
- Als Notlösung und Energiespender wurden die Coca-Cola-Getränke zusätzlich mit Zucker versetzt.
- Auch jetzt, nach Überwindung der Not, Umzug und Forschung in Europa hat die Kollegin diesen Brauch beibehalten.
Das gute Gefühl bei Heizlüftern
- vgl. “gutes Gefühl bei Heizlüftern”
- Ich selbst kann mich gut erinnern, dass ich in meiner früheren Kindheit gerne vor Öfen und Heizstrahlern gesessen bin
- vor allem in den Morgen- und Abendstunden,
- vor allem bei niedrigeren Temperaturen.
- Größtes Wohlgefühl hatte ich dabei, wenn ich den Heizstrahler ganz für mich beanspruchen konnte,
- gehüllt in einer kuscheligen Decke (ich sehe hier eine gewisse Äquivalenz zum japanischen Kotatsu (炬燵).
- Während dem Bundesheer hatte ich sogar die Angewohnheit, zu Hause direkt auf dem Schlafzimmerboden und bereits uniformiert zu schlafen,
- damit ich morgens sofort aufspringen und zum Frühstück in die Kaserne fahren konnte.
- Mein Lebensstil hat meinen Eltern nicht besonders gut gefallen,
- eine durchgehende Belüftung mit 8kW pro Stunde dann doch ein wenig die Energiekosten in die Höhe trieb.
- Auch davor waren sie immer wary, dass ich den Heizlüfter oder gar den Haarfön nicht zu sehr beanspruche.
- Heute erwische ich mich immer wieder, wie ich die mollige Wärme meines Heizlüfters suche,
- verspüre aufgrund der steigenden Energiekosten einen leichten Rückgang bei der Nutzung.
- Als ich wegen Covid krank im Bett lag, bin ich eher auf meinen früheren Favouriten, die Wärmflasche, umgestiegen.
- Warum ich das nicht früher gemacht habe, kann ich nur damit erklären, dass ich als Kind noch meine Schwierigkeiten hatte, heißes Wasser entsprechend zu handlen.
- Ich selbst kann mich gut erinnern, dass ich in meiner früheren Kindheit gerne vor Öfen und Heizstrahlern gesessen bin
Weiterführende Literatur
- Kehnel, Annette “Über Früher” (in Psychologie Heute - Ausgabe April 2022)
- Ötsch Walter. „Rechtspopulismus kontra Demokratie. Das Spiel mit der Angst und die Macht der Sprache“. Youtube Video, 18. November 2016.
- Pomerantsev Peter. This is not Propaganda: adventures in the war against reality. First Edition. New York, NY: PublicAffairs, 2019.
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